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Schiedsrichter...der etwas andere Nebenjob

Interview mit Daniel Holzinger - Schiedsrichter des TV Bammental vor der Saison 2019-2020

Hallo Daniel, seit wann pfeifst du für den TV Bammental,

Ich pfeife seit der Saison 2018/2019 für den TV Bammental.

In welcher Klasse pfeifst du aktuell?

Aktuell pfeife ich auf Kreisebene, für die Saison 2020/21 haben mein Partner Felix und ich den Aufstieg in die Landesebene (BHV) geplant. Auf Kreisebene werden wir im Gespann aktuell bis zur Landesliga Herren/Damen angesetzt. Weitere Ansetzungen hatten wir auch schon bei Turnieren und in der Jugend-Badenliga. Auch hier hat man die Möglichkeit, sportlich hochwertige Partien zu leiten.

Welche Voraussetzungen, Qualifikation und Erfahrung etc. muss man mitbringen, um pfeifen zu dürfen?

Voraussetzung ist sicherlich, dass man selbst Handball gespielt hat. Wie gut oder wie hoch, ist hierbei zweitrangig. Das Wichtigste ist der Faktor Persönlichkeit. Eine Entscheidung treffen, dazu stehen und den Weg dann bis Spielende auch so weitergehen. Um in den Spielzeiten angesetzt zu werden, ist der Besuch der Lehrgänge essentiell. Der geforderte Regeltest muss bestanden werden, ansonsten erfolgt keine Ansetzung. Die Regeltests sind machbar. Und wenn man einen Regeltest mal nicht bestehen sollte,  gibt es genug Nachschreibetermine. Auf Landesebene im BHV ist dann zusätzlich ein Ausdauertest in Form eines Laufes und eines Shuttle-Runs nötig. Diese sind aber auch gut machbar. Ein gewisses Maß an körperlicher Fitness ist Grundvoraussetzung, um auf dem Spielfeld über die gesamte Spielzeit konzentriert zu bleiben.

Wie werdet ihr beobachtet und beurteilt?

Als Neuling pfeift man die ersten Spiele (meist Jugendspiele) alleine und bekommt hierbei einen Coach zur Seite gestellt. Dieser gibt uns dann in der Halbzeitpause und nach dem Spiel Tipps, was wir verbessern können/müssen. Die Coachings laufen in einem sehr freundlichen und wertschätzenden Rahmen ab. Grundsätzlich kann man sagen, dass innerhalb der „Schiri-Familie“ ein respektvoller und freundschaftlicher Umgang gepflegt wird. Im Gespann werden die Coachings dann intensiver und detaillierter, aber das ist erst der zweite Schritt.

Kann man als Schiedsrichter auch auf- und absteigen?

Selbstverständlich ist es als Schiedsrichter auch möglich auf- und abzusteigen. Der BHV ist bestrebt, vor allem jungen Gespannen den Aufstieg in den BHV-Kader und somit auch die Tür zur BWOL und den darüberliegenden Spielklassen zu öffnen.

Was ist für dich die wichtigste Eigenschaft, die ein Schiri haben sollte?

Die wichtigste Eigenschaft ist meiner Meinung nach, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Es ist nicht unser Ziel, auf dem Spielfeld durch Gestik, Mimik oder Entscheidungen aufzufallen. Ein respektvoller Umgang mit Spielern, Trainern und auch Zuschauern erleichtert das Pfeifen deutlich. Ich würde das als „ausgeprägte Sozialkompetenz“ bezeichnen.

Es gibt einen Schiedsrichtermangel. Viele Schiri-Neulinge hören nach einem Jahr wieder auf. Wie würdest du die Schiri-Tätigkeit jemandem schmackhaft machen und was rätst du Neulingen?

Für junge Schiedsrichter (Schüler, Studenten) ist sicherlich auch der monetäre Aspekt interessant. Die Spielleiterentschädigungen und das Fahrtgeld können ein netter Nebenverdienst sein. Neulingen lege ich ans Herz, sich an den guten Spielen hochzuziehen. Emotionen und negative Kommentare von Trainern, Spierlern und Zuschauern gehören einfach dazu (ihr habt doch sicher auch alle schon einmal über den Schiri geschimpft 😊). Jeder Schiedsrichter hat Spiele, die er weniger gut leitet als andere. Aber so ist es im Sport nun Mal. Auch der beste Spieler hat Spiele, in denen er 10 Fahrkarten schießt. Es ist auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, das Spiel aus leitender Ebene zu beobachten.

Was wären denn deine Vorschläge gegen den Mangel?

Ein respektvollerer Umgang der Trainer und Zuschauer mit den Schiedsrichtern. Die Spieler lasse ich hier bewusst außen vor, denn meistens wird eine negative Stimmung gegen die Schiedsrichter von den Mannschaftsverantwortlichen generiert. Speziell den Eltern auf der Tribüne lege ich eines ans Herz: Wenn ihr über den Schiedsrichter eures Jugendspieles meckert, stellt euch einfach vor, euer Kind würde dieses Spiel leiten. Oder noch besser: Macht selbst eine Schiri-Ausbildung 😊.

Na, dann wünsche euch weiterhin ein gutes Händchen und viel Spaß!

 

Bericht unserer Schiedsrichterneulinge Jannis und Rasmus aus der Saison 2018-2019

Vor einem Jahr haben Jannis Hutzelmann und ich die Ausbildung zum Schiedsrichter absolviert.  

In unserem Verein (wie in den meisten anderen Vereinen auch) herrscht leider auch Schiedsrichtermangel. Wir sahen die Chance zum einen den Verein aktiv zu unterstützen und zum anderen einen "Nebenjob" anzunehmen. Natürlich gibt es einige weitere Gründe dafür, warum wir Schiri geworden sind bzw. andere es werden sollten. Zum Beispiel bekommt man die Gelegenheit Handballspiele aus der Sicht eines Schiedsrichters zu erleben. Das ist sehr interessant und führt nebenbei auch noch dazu, das man sich seltener während eines Spiels über eine "falsche" Entscheidung aufregt, weil man selbst schon erlebt hat, wie schwierig die schnellen Entscheidungen sind. 

Besonders positiv ist uns aufgefallen, wie gut und mit wie viel Geduld sich die erfahreneren Schiedsrichter sich um uns Neulinge kümmern. Sie besprechen mit uns jede Situation nach dem Spiel und stärken uns den Rücken. 

Natürlich ist auch der finanzielle Aspekt nicht unwichtig. Wir bekommen die Fahrtkosten und für jedes Spiel eine Aufwandsentschädigung. Außerdem werden wir auch vom Förderverein des TV Bammental mit Schiri-Kleidung und alles was sonst noch benötigt wird unterstützt.

Wenn wir jetzt dein Interesse am "Nebenjob" Schiedsrichter geweckt haben, sprich einfach die Abteilungsleitung an. Wir brauchen noch dringend Schiris!

 

Rasmus Jeske

Schiedsrichter